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Home Rundbriefe Rundbriefe Rundbrief II 14

 

Wie im Rundbrief vom 07.04.2014 angekündigt, fand am 09. Mai 2014 in Höxter die "Führung auf jüdischen Spuren" und die Besichtigung des Jacob-Pins-Hauses statt. Neben den reich geschnitzten und gut restaurierten Fachwerkhäusern beeindruckte das Forum Jacob Pins in dem historischen Adelshof Heisterman von Ziehlberg. In diesen alten Räumen erzielte die von Jürgen Scheffler getroffene Auswahl aus dem abstrakten Spätwerk des gebürtigen Lemgoers Mordechai Gumpel (1912 - 2009) eine besondere Wirkung.

 

Am 16. Mai 2014 hatten wir eine Führung durch die neuere Dauerausstelllung "Ideologie und Terror der SS" in der Wewelsburg. Die Führung war überaus kompetent und konnte sämtliche Fragen erschöpfend beantworten. Hier war es für die Beteiligten ein Vorteil, dass - wie bei der Fahrt nach Höxter - nur jeweils sechs Mitglieder der Gesellschaft an diesen Fahrten teilnahmen.

 

Am Sonntag, 18. Mai 2014, um 15.00 Uhr, spielte in der Alten Aula des ehemaligen Lyzeums das "andreas hofschneider-quartett" unter dem Motto "Benny Goodman - ein jüdisches Musikerleben". Andreas Hofschneider, geb. 1958 in Detmold, war in der Sachsenstr. 30 gegenüber einem "Judenhaus" aufgewachsen. Der Stadtführer "Auf jüdischen Spuren" war ihm bekannt. Mit diesem Hintergrund wandte er sich an uns, um dieses Benefizkonzert zu Gunsten der Gesellschaft zu geben. Trotz des heißen Sommertages und zahlreicher weiterer Veranstaltungen in der Stadt, war das Konzert sehr gut besucht und fand sehr großen Anklang.

 

Auf Einladung von dem Städtischen Museum Hexenbürgermeisterhaus, der VHS und unserer Gesellschaft sprach der frühere Botschafter Israels in Deutschland Avi Primor am 27. Juni 2014 über seinen ersten Roman "Süß und ehrenvoll" jüd. Freiwillige im 1. Weltkrieg. In dem Gespräch mit Jürgen Scheffler zeigte sich dann schnell, dass die Hoffnung der jüdischen Freiwilligen durch ihren militärischen Einsatz vollständig assimiliert zu werden, eine Illusion war. Ein brillanter Vortrag und - auch ohne der Berücksichtigung der weiteren Entwicklung - desillusionierend. 14 Mitglieder der Gesellschaft fanden den Weg nach Lemgo zu diesem gut besuchten Gespräch.

 

Am Freitag, den 04.Juli 2014 hatten wir Dank der Vermittlung von Pfarrer Danys Frau Marta Kijowska zu Besuch, die den meisten durch ihre Biographie über Szczypiorski bekannt gewesen sein dürfte. Jetzt stellte sie ihre Jan-Karski-Biographie (1914 - 2000) vor : "Kurier der Erinnerung". Jan Karski erhielt 1942 den Auftrag, die polnische Exilregierung und die Alliierten über die Arbeit des Untergrundes und des Schicksals der polnischen Juden zu informieren. Durch einen Tunnel wurde er in das Ghetto eingeschleust, konnte schließlich wieder entkommen. Seine Berichte wurden in London und Washington zwar zur Kenntnis genommen, aber politisch und militärisch nicht umgesetzt. 1944 schrieb er seinen Bericht: "Story of a Secret State. My Report to the World". Er blieb in den USA und wurde Fachmann für Sowjetologie und Marxismusforschung.

 

Eine beschämende Nachricht berührte uns Mitte Juli 2014. Unbekannte hatten zwischen den Abendstunden am Freitag, d. 11. Juli, und Montagmorgen, 14. Juli 2014, rote Farbe über den Gedenkstein der zu Ehren der geschändeten und abgerissene Synagoge in der Lortzingstr. steht, gegossen. Es entstand dadurch der Eindruck von herunter gelaufenen Blutspuren. Die Ermittlungen des Staatsschutzes scheinen ergebnislos verlaufen zu sein. Dankenswerterweise hat die Lipp. Landeskirche in der Presse diese antisemitische Ausschreitung entschieden verurteilt, ebenso wie die Demonstrationen und Internetauftritte in den vergangenen Wochen wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Gaza.

 

Am Freitag, den 29. August 2014, trafen sich Interessierte am "Alten jüdischen Friedhof" (Spitzenkamptwete/ Richthofenstr.) mit dem früheren Stadtarchivar Dr. Ruppert. Er berichtete über die Geschichte dieses Friedhofs und dessen Auflösung 1950. Von massiven Regenschauern begleitet, ging es zu dem neuen Friedhof in der Spitzenkamptwete, auf dem Herr Ruppert die versetzten Steine von dem Alten Friedhof zeigte, die noch ausschließlich hebräisch beschriftet waren. Die zunehmende Assimilierung veränderte die Grabsteine und führte zu deutschen und jetzt auch russischen Inschriften. Die gut 43 Teilnehmer trotzten beharrlich den Schauern.

 

Über ein erschütterndes Kapitel des Antisemitismus der "guten Bürger" in den Sportvereinen berichtete am Freitag, den 05. September 2014, Herr Florian Lueke unter dem Motto: "...dem Verein angeschlossene Juden werden gestrichen". In Lemgo wurden selbst langjährige Mitglieder ohne Erläuterung am 30. April 1933 aus dem Mitgliederverzeichnis "gestrichen". Das betraf zum Beispiel auch die Familie Frenkel. In Detmold wurde der "Austritt" des letzten verbliebenen Juden, eines verdienten Weltkriegsveterans, am 01. Mai 1933 vermerkt. Auf Fotos wurden die Köpfe von Juden ausgekratzt und die Namen aus Festschriften entfernt. Leider folgten nur 14 Besucher diesen Ausführungen. Davon aber immerhin fünf, die nicht Mitglieder unserer Gesellschaft sind. Herr Lueke erhielt in der Presse eine sehr gute Kritik.

 

Am Samstag, den 13. September 2014, fand dann endlich die Verabschiedung von Getrud Wagner als evangelische Vorsitzende statt. Die ursprüngliche Planung, die Verabschiedung mit der Mitgliederversammlung im März zu verbinden, scheiterte an ihrer Gesundheit. Diese, für die Gesellschaft besondere Verabschiedung, war ihrem außergewöhnlichen Einsatz geschuldet. Sie war nicht nur vom 04.03.2000 bis zum 21.03.2004 und vom 09.03.2008 bis zum 30.03.2014 unsere evangelische Vorsitzende. Ihr Einsatz für die Gesellschaft begann bereits in der Gründungsphase und nach der Gründung am 07.04.1988 bis zum 04.03.2000. In dieser Zeit hat sie ihren Mann - Pfr. Peter Wagner - intensiv unterstützt. Ihre außergewöhnliche Kontaktfähigkeit hat viele "Türen" geöffnet. Diese Kontakte, die sich teilweise zu Freundschaften entwickelten, hat sie über all die Jahre gepflegt und sie hält sie weiterhin lebhaft aufrecht. Immer wieder hörte man staunend Details über individuelle Lebensläufe oder über verwandtschaftliche Verbindungen.

Es war daher nicht überraschend, dass ca. 50 Mitglieder zu dieser Verabschiedung kamen. Umrahmt wurde dieser Abend mit Musik des Klarinettisten Stubenvoll mit zwei seiner Kollegen, die Akkordeon und Percussion spielten. Barbara Klaus zitierte zur Einleitung Gedichte sieben jüdischer Dichterinnen und überreichte jeweils eine weiße Rose. Georg Edel hielt eine sehr gefühlvolle Ansprache. Anschließend zeigten Micheline Prüter-Müller und Rüdiger Schleysing Fotos von frühen Begegnungen in Israel. Dank der lockeren Kommentierung von Micheline wurde die Stimmung nicht zu wehmutsvoll. Anschließend sprach der Bürgermeister a.D. Fritz Brakemeier, auch im Namen seines Nachfolgers Bürgermeister Rainer Heller. Herr Brakemeier förderte und unterstützte von Beginn an die Anliegen unserer Gesellschaft und insbesondere die Besuche ehemaliger Detmolder Juden.

In einer Runde unter Leitung von Eugen Heinen diskutierten Gertrud Wagner, Magdalene Guido, Bettina Hanke-Postma, Martin Böttcher und Klaus Pohlmann über die Zukunft der Gesellschaft und neue Schwerpunkte .

Mit Schnittchen, Getränken und den Klängen des Trios wurde die Diskussion noch länger fortgesetzt.

 

Am Freitag, den 19. September 2014, fand unter Leitung von Martin Hankemeier und Frau Wißmann (Stadt Lage) eine Führung auf dem alten jüdischen Friedhof in Lage, Flurstr. statt. 2012 wurden erstmals die zur Hangbefestigung eingegrabenen Grabsteine freigelegt und wieder aufgestellt. Trotz des zwischenzeitlich strömenden Regens waren 14 Besucher gekommen. Interessiert lauschten sie den Ausführungen von Frau Wißmann zu der außergewöhnlichen Geschichte dieses Friedhofs, dessen ältester Stein von 1724 stammt.

 

Am 25. Oktober 2014 machten sich 15 Mitglieder auf, um mit der Bahn nach Osnabrück zu fahren. In dem Nußbaum - Museum wurden 13 Bilder der Malerin Felka Platek gezeigt, der Lebensgefährtin und späteren Ehefrau von Felix Nußbaum. Weitere Bilder sind nach ihrer Deportation verloren gegangen.

 

Von Mai bis Oktober 2014 hat dankenswerterweise Frau Mitschke-Buchholz wieder Stadtführungen "Auf jüdischen Spuren" durchgeführt. An diesen haben 82 Erwachsene und 30 Schüler teilgenommen.

 

Am Sonntag, den 09. November 2014, fanden um 17.00 Uhr an dem Gedenkstein in der Lortzingstr. und ab 18.00 Uhr an der Gedenkstätte "Alte Synagoge", Exterstr., die Gedenkfeiern statt. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Heller sprach erstmals die Stadtarchivarin Frau Sunderbrink. Sie setzte "die 9. November" miteinander in Bezug: Den 9. Nov. 1989, den Fall der Mauer, die friedliche Revolution, die zur Wiedervereinigung führte. Der 9. Nov. 1918, die revolutionäre Bewegung, die zur Abdankung der Kaisers führte, der 9. Nov. 1923,der "Marsch auf die Feldherrnhalle" bei dem Adolf Hitler kläglich scheiterte, In der Pogromnacht am 9. November 1938 brachen staatlich gefördert und von der Öffentlichkeit unterstützt, antisemitischer Hass und Gewalt aus, die zu Vertreibung und Ermordung jüdischer Mitbürger führten.

Anschließend ab 19.00 Uhr trug im gut besetzten Rathaussaal die Sängerin Akampita Steiner unter dem Titel "Gebet zur Abendsonne" hebräische Lieder, Improvisationen, Eigenkompositionen und Texte zum Thema vor.    

Die traurige Nachricht muss mitgeteilt werden, dass Ruth Margalith, geb. Ehrmann, geb. am 28. Februar 1931 in Heidenoldendorf am 19. November 2014 verstorben ist. Nach Mitteilung ihrer Tochter ist in ihrer Anwesenheit ruhig in der Nacht entschlafen. An der Beerdigung hat auch Karla Raveh teilgenommen.

 

Veranstaltungen:

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 27. Januar bieten wir an:

  1. 1.Freitag, den 23. Januar 2015, 19.30 Uhr, Haus Münsterberg, Marianne Brentzel, eine Lesung: "Mir kann doch nichts passieren - das Schicksal der Schriftstellerin Else Ury“.
  2. 2.Mittwoch, 28. Januar, 19:30 Uhr, ehemalige Synagoge in Blomberg, Bettina Hanke-Postma: „Hoffnung finden – dem Entsetzen zum Trotz“ - Vortrag zum Maler Chagall.

 

Unserem Rundbrief haben wir eine Anlage angefügt, die eine Auflistung aller Veranstaltungen zum 27. Januar enthält.

 

Weitere Veranstaltungstermine der Gesellschaft:

  1. 1.Donnerstag, 19. Februar 2015, 19.30 Uhr, Haus Münsterberg, Fr. Mitschke-Buchholz, "Werkstattbericht": Vorläufige Ergebnisse der Archivforschung für das digitale Gedenkbuch.
  2. 2.Samstag, 03. März 2015, 15.00 Uhr, Haus Münsterberg, Mitgliederversammlung. Es steht die Wahl eines Geschäftsführers an. Herr Ehrlicher steht nicht mehr zur Verfügung.
  3. 3.Samstag, 09. Mai 2015, Fahrt zum Jüdischen Museum-Westfalen in Dorsten, es sollen Fahrgemeinschaften gebildet werden. Die einfache Strecke dauert ca. 2 Stunden.

 

Es grüßen Sie herzlich auch im Namen des Vorstands,

 

 

 

Jörg Ehrlicher                                                                                       Barbara Klaus

-Geschäftsführer-                                                                                 -Kath. Vorsitzende-

Rundbrief als PDF